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Rund und bunt und herrlich unvernünftig – Kat Menschik über den zweiten Gang ihrer Kult-Reihe

Wenn Kat Menschik zu Tisch bittet, ist das kein gewöhnliches Abendbrot, sondern ein Fest für die Sinne. Mit "Mehr Essen essen" folgt nun der lang ersehnte Nachschlag ihrer Kult-Reihe! Im Gespräch verrät sie, wie es zu der Idee des Kochbuchs kam, wie sich Koch- und künstlerischer Prozess für sie unterscheiden und was ihr liebstes Rezept aus der Kindheit ist.

Buchcover und illustriertes Selbstporträt der Autorin mit der Bildunterschrift: Bleiben sie kreativ

„Rezeptbücher gibt es viele, aber das hier ist garantiert das bunteste und eines der lustigsten.“— Christoph Amend, DIE ZEIT über »Essen essen«

„Es gibt ein paar Albernheiten, damit wir nicht vergessen, wie schön das Leben ist“

…so beginnt dein Vorwort, zwischen runden Sachen: Suppen, Kuchen und eingerollten Katzen. Welche Rolle spielt die Albernheit für Mehr Essen essen?

Albernheiten machen Spaß. Es ist toll, sich nicht zu ernst zu nehmen und möglichst fröhlich zu sein. Da schaden ein paar Wackelaugen auf Gemüse, Gerichte mit Gesichtern, tanzende Bohnen oder Süßkartoffeln, die im Ruhm baden, nicht!

Menschik-Fans kennen deinen unverwechselbaren Stil, aber jeder Band hat ein eigenes Gestaltungskonzept. Essen essen und Mehr Essen essen sind knallbunt, überbordend und voller lustiger Details. Was war zuerst da: die Idee zum Kochbuch oder die Bilder?

Mein Strich ist wie meine DNA, daran erkennt man mich, den kann ich nicht ändern, auch wenn ich wollte (ich will nicht, lach). Das Entscheidende ist, für jeden Band eine ganz eigene, zum Inhalt passende Grundidee zu entwickeln: ein Farb- und Gestaltungskonzept, welches Cover und Inhalt einschließt und jedes Buch zu etwas Einzigartigem macht. Vor vielen Jahren habe ich den Kindern einer Freundin mein Nudeln-mit-Tomatensauce-Rezept aufgeschrieben, weil sie es so liebten. Naja, ich habe es eher aufgezeichnet: mit kleinen lustigen Bildchen, Sauce mit Augen usw. und kurzen Beschriftungen und Erklärungen. Das war der Beginn des Kochbuchs. Die Grundidee war wirklich jede Seite des Buches komplett vollzuzeichnen und dabei sehr, sehr bunt zu sein. Außerdem gibt es bei mir keine säuberlichen Listen mit Zutaten und ordentliche Erklärungen. Ich finde lustig, dass sich die Leser das Rezept quasi erarbeiten müssen, indem sie meine Texte lesen, in denen ich die Gerichte erkläre, aber auch erzähle, in welchem Kontext sie für mich stehen.

„Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf, probieren Sie, verändern Sie!“

…rätst du deinen Leser:innen fürs Kochen. Trittst du so auch an dein künstlerisches Arbeiten heran?

Bei meinen künstlerischen Arbeit experimentiere ich weniger, man könnte es eher mit „ständigem Ausweiten der Grenzen“ beschreiben. Ich versuche mich zwar an neuen Techniken und denke mir gern neue Sachen aus, aber ich bin stets bemüht, meine Arbeiten so präzise wie möglich auszuführen, also das Handwerk zu lernen. In der Küche ist das allerdings etwas Anderes. Hier benutze ich, was gerade zur Hand ist, oder probiere Zutaten oder Gewürze, von denen ich denke, sie könnten gut zueinander passen. Das geht auch schon mal schief, aber meistens kommen überraschende und köstliche Gerichte dabei heraus.

Ein Plädoyer fürs Beisammensein

Wenn man Mehr Essen essen liest, beginnt einem prompt der Magen zu knurren, das Wasser im Mund zusammenzulaufen und vor Tatendrang in den Fingern zu jucken – man will sofort Tomatentarte essen, Gin Tonic trinken, Rhabarber im Garten anbauen, die eigene Oma nach ihrem Nudelauflauf fragen, die Mama, was sie in der Studienzeit gegessen hat, die beste Freundin nach ihrem Kuchenrezept löchern. Vor allem aber will man sofort alle Freund:innen einladen, an einer großen Tafel sitzen, essen, trinken, beisammen sein. Mehr Essen essen ist auch eine Ode an die Freundschaft. Wie wichtig ist Gemeinschaft fürs Essen? Oder das Essen für die Gemeinschaft?

Meistens essen wir nur zu zweit, wir wohnen ja auf dem Land. Aber wir kochen jeden Abend für uns. Das ist schön. Wenn ich Freunde treffe, koche ich natürlich auch für sie. Aber wie ich im Vorwort meines ersten Kochbuchs schrieb, ist Kochen gar nicht meine Lieblingsbeschäftigung – aber man muss ja die Familie (und Freunde) satt bekommen. Manchmal kann ich es mir aussuchen – und dann lasse ich gern andere kochen. Wichtig für die Gemeinschaft ist für mich persönlich eher ein Gläschen Sekt und natürlich fröhliches Herumgeschwatze!

Wenn du mal einen Abend für dich hast, was isst du dann besonders gern?

5-Minuten-Terrine.

Gemütlichkeitssuppe, Goldene Milch, Velvet Cake – Mehr Essen essen lädt dazu ein, es sich warm und gemütlich zu machen. Gibt es ein Rezept aus deiner Kindheit, dass dir sofort ein wohliges Gefühl gibt?

Immer wieder Nudeln mit Tomatensauce und die Klemmkuchen meiner Omi.

...und eine Priese Lebenslust

Mehr Essen essen ist nicht nur ein Mehr an köstlichen Rezepten und persönlichen Anekdoten, sondern auch an knallig-bunten Illustrationen und Lebensfreude. Es ist eine Hommage an die kleinen Freuden im Leben: eine herrliche Pause mit Kaffee & Kuchen, gute Freund:innen und nicht zuletzt die Freude an einem schönen Buch. Gerade in schwierigen Zeiten eine gute Erinnerung – hat das im Prozess für dich eine Rolle gespielt?

Für mich spielt in allem, was ich mache, die allergrößte Rolle, mir und anderen immer wieder bewusst zu machen, in welch wunderschöner Welt wir leben dürfen – und wie kurz das Leben ist. Ich finde, es tut gut, alles mit einer Haltung der Wertschätzung zu erleben. Ich bin überzeugt davon, dass wir dadurch bessere, freundlichere und zugewandtere Menschen werden, die dann vielleicht mit mehr Kraft und Rückgrat den Schwierigkeiten unserer Zeit entgegentreten können.

 

 

 

 

 

 

Rezeptseite aus dem Buch: Gefüllte Paprikaschoten

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