Onno Viets und der weiße Hirsch


Onno Viets und der Jäger der Jäger

Der eigenwilligste Privatdetektiv der Literaturgeschichte zieht aufs Dorf. Doch die Idylle trügt gewaltig. Der dritte Onno ist beileibe kein Regionalkrimi, sondern ein Roman von Welt.

Protzten Onnos bisherige Abenteuer noch mit Kreuzfahrtschiffen und Kiezoligarchen, Popmagnaten und Rotlichteskapaden, ist der Mittelpunkt der Welt beim dritten und letzten Onno Viets das Dörfchen Finkloch. Selten gab es mehr Dorfidylle auf so wenigen Quadratmetern.

Doch Onnos scheinbar beschaulicher Sommer bei den Schwiegereltern hat einen düsteren Hintergrund: Geplagt von einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung, ist der Privatdetektiv von eigenen Gnaden von Hamburg raus aufs Land geflohen. Denn seit dem dramatischen Fall um den Irren vom Kiez ist er nicht mehr er selbst: Nicht nur, dass er an der Pingpongplatte versagt, er leidet vor allem unter ausgewachsenen Panikattacken, die seine Tage zur höllischen Qual werden lassen. Dörflichkeit und kuscheliger Schoß der Schwiegerfamilie sollen für Linderung sorgen.

Doch natürlich stolpert Onno auch in Finkloch unfreiwillig in finstere Machenschaften, bei denen nicht nur gekreuzigte Pharaonenkatzen und Schusswaffen eine gewichtige Rolle spielen, sondern auch die »Katzenzenzi«, exilbayerische Esoterikerin, die es vom Astro-TV ins norddeutsche Dorf verschlagen hat, wo sie sich mit Vollmondseminaren eine goldene Nase verdient. Bald schon überschlagen sich die Ereignisse, es gibt sogar einen Toten … doch auf einmal beginnt Frank Schulz, aus der Komik seiner Regionalfarce heraus das Schicksal ganzer Generationen zu erzählen. Das Dorfbuch mutiert zum Weltbuch und Schulz erzählt mit einer Wucht, die den Leser umhaut. Der nächste große Schulz’sche Wurf – der würdige Abschluss einer grandiosen Trilogie.

Das fehlende Puzzlestück im Onno-Universum – ein Roman mit unerwarteter Wucht.



Pressestimmen

Ja, Literatur, selbstverständlich, komplex und gehaltvoll. Aber mit dem Unterhaltungswert eines guten Krimis. Westfälischer Anzeiger
Waren die ersten beiden Bände eher absurde Farce als Krimi, ist der dritte Onno ein Heimat- und Familienroman mit teils grotesker Komik, in Szene gesetzt natürlich mit Schulzscher Fabulierkunst. Rolling Stone
Eine Verbrecherjagd findet normalerweise nicht auf Hochsitzen statt. Und wenn am Nordrain des Mondwaldes geschossen wird, rechnet man nicht mit toten Waidmännern. Doch Frank Schulz ist ein Autor, der in jeder Normalität das Sensationelle entdecken und selbst dem Jägerlatein poetische Qualitäten abgewinnen kann. Sein neuer Fall für Onno Viets, den wohl gutmütigsten und phlegmatischsten Detektiv der Weltliteratur, wird zu einer Exkursion durch das dichte Unterholz menschlicher Schicksale und das Gestrüpp der deutschen Geschichte. Die Satire aus der norddeutschen Provinz erreicht eine historische Tiefendimension, die bis zum Linksterrorismus der Siebziger und den Traumata der Kriegsgeneration reicht. Richard Kämmerlings, persönliche Empfehlung der SWR-Bestenliste
Onno Viets und der weiße Hirsch schlägt auf 350 Seiten so manchen Haken, aber das entspricht der Struktur seiner Hauptfigur. Stringentes Handeln ist nicht Onnos Stärke. Er verzettelt sich gern, sein Leben ist ein einziges Auf und Ab, viel gebacken bekommen hat er auch nicht. Aber Onno ist ein grundsympathischer und aufrechter Typ, der von seiner Familie und seinen Freunden für seine Loyalität geliebt wird. Hamburger Abendblatt
Von Frank Schulz und den Erschütterungen in seiner Familie konnte man vor zwei Jahren schon im Spiegel lesen. Jetzt hat er ein Buch daraus gemacht, manchmal authentisch bis in die Ortsnamen hinein. Es sind anrührende Szenen, die er da beschreibt. (...) Es ist die Vermessung einer fernen Welt, der Welt seines Vaters, in der die Vergangenheit nicht vergehen will. Es sind Szenen eines beschädigten Lebens. Und es ist ein großartiges Buch. Lübecker Nachrichten
Schulz‘ Onno-Finale ist vor allem ein kritischer und einfühlsamer Heimatroman. Man hüpft jauchzend durch die gleiche Landidylle, die später als Hort der Verdrängung entlarvt wird. Schulz holt die deutsche Kriegs- und Nachkriegsvergangenheit in die Gegenwart. Das funktioniert, weil der Roman seine Figuren ernst nimmt. (…) Schulz findet Einsichten und Bilder, die auf Hunderttausende deutsche Familien und Millionen Kriegstraumatisierte zutreffen dürften. Junge Welt
Frank Schulz hat einen wunderbaren Roman über verdrängte Ängste und die biografischen Brüche einer Familie geschrieben, die über drei Generationen hinweg mit den Folgen deutscher Geschichte konfrontiert wird. (...) Ihm gelingen dabei sprachlich großartige Beschreibungen über den deutschen Wald, sein Wild, die Vögel, Bäume und Gräser. (...) Schulz jedenfalls ist ein großartiger Unterhalter. der Freitag
Frank Schulz beweist einmal mehr, dass er ein genialer Schriftsteller ist. (...) Wie es sich für einen Krimi gehört, gibt es auch einen Toten, vielleicht auch zwei – und ein Mysterium, das nach Aufklärung drängt. Es geht um Waffen und um Jagd und um Gewalt, ohne die auch kein Hirsch erlegt werden kann. Und es geht um Freundschaft, um Familie und um Liebe, die oft seltsame Umwege geht. Am Ende glaubt der Leser auch an weiße Hirsche. Was dieser Schulz doch alles kann! NDR Buch des Monats
Wer sich auf diese Fabulierlust einlässt, wird belohnt. So genau, unprätentiös und poetisch zugleich muss man erst mal über einen Waldspaziergang schreiben können. (...) Onno Viets hat seinen letzten Fall gelöst – schade! Der Roman spannt den großen Bogen von deutscher Nachkriegsgeschichte bis ins Heute. Er wird bleiben. NDR Kulturjournal
Der mystische Heimatroman, auf den die Schatten der deutschen Vergangenheit fallen, ist ohne Frage der Höhepunkt der Onno-Viets-Reihe, weil sich Schulz hier auf das besinnt, was er am besten kann: sich einfühlen, beschreiben, die Exzentrik des Gewöhnlichen aufspüren. Gerade weil er auf den grotesken Schauwert des ersten Bandes und die Kalauer des zweiten verzichtet, wird der tragikomische Held Onno Viets in seiner ganzen Komplexität und Tiefe sichtbar. Deutschlandfunk
Es ist sehr schade, dass der Schriftsteller Frank Schulz, der diesen prekären Helden unserer Zeit erfunden hat, für ihn weder mit Buchpreislistenplätzen noch mit klassischen Literaturpreisen bedacht wird. Dabei ist die kalauernde Seite dieser Figur in Wirklichkeit die andere Seite, um gnadenlos wahrhaftig über die Komödie und Trauerspiele menschlicher Beziehungen zu schreiben; was, wie es im zweiten Teil hieß, ‘nicht gerade Reklame für die Conditio humana’ ist. Frank Schulz erzählt über seine Hauptfigur mit einer Sprachkunst und Wortgewalt, die in der gegenwärtigen Literatur ihresgleichen suchen. Deutschlandradio Kultur
Im ersten Moment denkt man: Warum soll ich diesem Zausel 350 Seiten lang folgen? Und im zweiten Moment hat man sich zum dritten Mal in Onno Viets verliebt. (...) Das ist groß. taz
Die Bücher von Frank Schulz, und speziell dieses, haben eine seltene und in dieser Form tatsächlich einzigartige Qualität: Sie verbinden das Leichte und Vergnügliche eines Unterhaltungsromans mit jener Art von Befriedigung, wie sie nur Literatur im anspruchsvollen Sinn des Worts spendet. Süddeutsche Zeitung
(...) Doch wer sollte den Nobelpreis stattdessen erhalten? Meine Wahl fällt auf den Hamburger Schriftsteller Frank Schulz. Mit seiner Hagener Trilogie hat Schulz sicherlich das eigensinnigste, sprachmächtigste und komischste Romanepos der Nullerjahre geschrieben. Eng an Vorbilder wie Arno Schmidt oder Eckhard Henscheids Trilogie des laufenden Schwachsinns angelehnt, schreibt Schulz von der Schönheit des Scheiterns und Verzweifelns – und ja: Auch das ist Pop. Johannes Spengler, Tell - Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft
Als Leser durchlebt man ein wildes Auf und Ab, bei dem die Dorfbewohnerschaft körperlich, seelisch und auch biografisch so gründlich durchleuchtet wird, dass man glaubt, in einem deutschen Drama zu sein. Bis man wieder über Onno stolpert und sich doch wieder kurz in einer Komödie wähnt. Was natürlich ein Trugschluss ist. Dieses Onno-Buch ist das beste der drei, vermutlich, weil Frank Schulz hier, mehr noch als bei den Vorgängern, dem Volk so sehr aufs Maul schaut, dass ihm die Zähne ausfallen, dem Volk. Muss man gelesen haben. Große Literatur. Sächsische Zeitung
Frank Schulz hat den grandiosesten Antihelden unserer Zeit geschaffen. (...) [Der Roman] gehört so ziemlich zum Komischsten, was man in den vergangenen Jahren lesen durfte. Der eigentliche, äußerst gewiefte und seinem Helden in Brillanz in nichts nachstehende Verkleinerungskünstler ist natürlich Frank Schulz selbst, der durch das behauptete Genre der Kriminalliteratur und den norddeutschen Kalauer nun klammheimlich einen großen Familien- und Nachkriegsroman geschrieben hat. FAZ