Monsieur Nicolas oder Das enthüllte Menschenherz


Der Knausgård des 18. Jahrhunderts – Rétif de la Bretonne. Reinhard Kaiser entdeckt für uns eines der schonungslosesten und großartigsten Memoirenwerke der Weltliteratur.

Es ist ein ungeheures Unterfangen, das Rétif de la Bretonne in der Vorrede seines Buches ankündigt: »Ich gehe daran, Ihnen hier das ganze Leben eines Ihrer Mitmenschen vorzulegen, ohne etwas zu verschleiern, weder von seinen Gedanken, noch von seinen Taten. Der Mensch, dessen Seele ich hier anatomieren werde, konnte allerdings kein anderer sein als ich selbst.«

Und er macht ernst – völlig ungeschminkt erzählt er alles, was ihn einst bewegte, alles, was er tat, und alles, was er dachte: Gutes wie Böses, Edles, Niederträchtiges, Verwerfliches, Peinliches, Obszönes, Widerliches, Naives, Lobenswertes. Alles.

Und er schreibt damit eines der schonungslosesten, aber auch großartigsten Memoirenwerke aller Zeiten, ebenbürtig einem Samuel Pepys, Jean-Jacques Rousseau oder Giacomo Casanova. Von der Jugend auf dem Land über die Zeit in der Klosterschule bis in die Zeit als Drucker und Schriftsteller in Paris, wo er zum berühmtesten Beobachter der niederen Stände wird. Unzähligen Frauen begegnet der leicht entflammbare und triebhafte Rétif auf seinem Weg, und auf alle möglichen Weisen versucht er sich ihnen zu nähern.

Er liefert ein ungemein reichhaltiges Zeitbild Frankreichs vor und während der Revolution – und eine Tiefenbohrung in die menschliche Psyche, wie es sie vorher noch nie gab und auch lange danach nicht mehr geben sollte.

Der Klassiker zum Buchmessengastland Frankreich!


Termine

Lesung: Reinhard Kaiser liest Rétif de la Bretonne Monsieur Nicolas oder Das enthüllte Menschenherz
Termin20. September 2018
Ort Hauptstr. 59
Renchen
VeranstaltungSimplicissimus-Haus


Pressestimmen

So radikal authentisch wie Karl Ove Knausgård war schon das 18. Jahrhundert. (...) Das Proletarische als das Ursprüngliche hat diesen Autor beseelt – und sein Projekt weit hinaus in die Moderne katapultiert. Und da ist er nun und kann wieder gelesen werden, vorurteilsfrei wie noch nie. (...) Glänzend ins Deutsche übersetzt, vorbildlich erschlossen, ausführlich annotiert. Durs Grünbein, Die Zeit
Keine Geschichte der Libertinage ohne ihn! Endlich auf Deutsch: die glühende, lasterhafte, gewaltige Autobiografie des Untergrundchronisten des 18. Jahrhunderts. Eine Sensation! Tania Martini, taz
Eine der schönsten literarischen Entdeckungen des Jahres 2017 (...) Die Lektüre lohnt unbedingt (...) Prall, bunt und voller Anekdoten (...) Will man etwas über das normale Leben im Europa des 18. Jahrhunderts wissen, dann greife man zu diesem Band. Das ist mindestens ebenso fruchtbar wie die Lektüre dicker historischer Wälzer über die Zeit. Jochen Kürten, Deutsche Welle
Reinhard Kaiser gelingt es, Rétifs Sprache auch in der deutschen Übersetzung eine Art unbestimmtes Alter zu verleihen. Nicht zuletzt dadurch gerät der Leser in grübelndes Staunen. Unverkennbar lesen wir einerseits eine Geschichte, die vor fast 300 Jahren ihren Lauf nimmt, andererseits hat diese Geschichte eine Präsenz, eine Frische, dass man gelegentlich denkt, da müssten wir erst noch hinkommen. Es gäbe viele Gründe, diesem Buch eine weitaus bedeutendere Stelle in der Literaturgeschichte zuzuweisen, als das heute geschieht. Walter van Rossum, Deutschlandfunk
Über viele Jahre arbeitete Bretonne an diesem Werk, das ihm letztendlich ins Uferlose wucherte. (...) Umso höher ist die Arbeit Reinhard Kaisers einzuschätzen, der aus dem mächtigen Konvolut eine kluge Auswahl getroffen und es in eine Sprache transformiert hat, die diese Meisterwerk in seiner literarischen Größe zeigt, es aber gleichzeitig den heutigen Lesegewohnheiten so angepasst hat, dass es trotz seiner 634 Seiten spannend zu lesen ist und von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Rétif de la Bretonne wollte ,Stauenen erregen durch ein Übermaß an Aufrichtigkeit'. Das ist ihm ebenso gelungen wie seinem Übersetzer. Peter Urban, Augsburger Allgemeine
In der Tat ist Rétifs ‘Monsieur Nicolas’ ein bemerkenswertes Buch. Und ein ausschweifendes dazu. Tobias Schwartz, Tagesspiegel
Ein farbigeres Memoirenwerk kann es kaum geben. Einem Casanova hätte es die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Selbst Schiller befand in einem Brief an Goethe, dass ihm eine derart ‘heftig sinnliche Natur’ noch nicht untergekommen sei, er habe sich an der Mannigfaltigkeit der Gestalten sehr ‘ergetzt’. Ein sprachmächtiges, tolldreistes und vergnügliches Memoirenwerk, schillernd übersetzt von Reinhard Kaiser. Hajo Steinert, SWR
Eine hochamüsante Lektüre: ein kulturhistorisch und -soziologisch einzigartig reich ausgestattetes erzählerisches Kompendium des Alltagslebens im Frankreich vor der Revolution und ein »lendliches« (Arno Schmidt) Erotikon. Übrigens ist es auch ein sehr schön und liebevoll gemachtes, mit zwei Lesebändchen (für die Lektüre und die Anmerkungen) versehenes Buch. Wolfram Schütte, Glanz & Elend
Eine der ersten modernen Selbsterkundungen, ehrlicher als Casanova, spektakulärer als Rousseau, lange vor Sigmund Freud. hr2 Kultur
Endlich wird dieser unbekannteste Klassiker der französischen Literatur – zumindest in Deutschland ein unbekannter Mann – bei Galiani in einer wunderschönen Edition vorgeführt. Rainer Moritz, NDR Kultur
Wer ‘Monsieur Nicolas’ nur einmal aufschlägt, ist schon verloren. Es führt kein Weg aus dem Labyrinth aus Skandalen, Situationen und Sensationen, bevor man nicht alle 700 Seiten durchgelesen hat. (...) Ein atemberaubender, radikaler Text, in dem niemand so agiert, wie der Leser es annehmen mag (...) Der Mensch, das lehrt uns die Lektüre von ‘Monsieur Nicolas’, steht idealerweise neben sich, staunt und schüttelt den Kopf. Nils Minkmar, Literatur Spiegel
Zusammengedampft auf 700 explosive Seiten, ist dieses im französischen Original mehrere tausend Seiten umfassende Memoirenwerk eines vom Schreiben Besessenen einzigartig in der Literaturgeschichte. (...) Ein Sittenbild der französischen Gesellschaft vor, während und nach der Revolution, wie es ein Farbigeres kaum gibt. (...) Pornografie? – Nein! Wäre es das, hätte Reinhard Kaiser dieses sprachmächtige Werk nicht übersetzt. Und wie er übersetzt hat! Brillant! Darmstädter Jury Buch des Monats e.V.
Dank Reinhard Kaiser ist jetzt ein anderer Rétif zu entdecken, ein Schriftsteller, der den Menschen schildert, wie er ist, und nicht, wie er sein soll. Ohne Rücksichten und ganz ungeschminkt erzählt er, was ihn in seinem Leben bewegte, was er dachte, fühlte, begehrte und erlebte. (...) 720 Seiten, die man in der gewohnt vorzüglichen Übersetzung Kaisers mit Genuss liest. FAZ