Halbe Wahrheiten

Vom seltsamen Eigenleben unserer Erinnerung


So war das nicht! Wie unsere Erinnerung uns belügt.

»Was in deiner Jugend geschah, ist häufig das Ergebnis dessen, wie dein späteres Leben verlaufen ist.«

Sie glauben, die Vergangenheit sei die Summe Ihrer Erinnerungen? – Weit gefehlt! In Halbe Wahrheiten. Vom seltsamen Eigenleben unserer Erinnerung spürt Douwe Draaisma den Tricks und Fallen nach, mit denen wir uns selbst täuschen.

Die meisten von uns meinen noch genau zu wissen, wo sie waren und was sie gerade taten, als sie von 9/11, vom Tod John F. Kennedys oder Lady Dianas erfuhren. Selten entsprechen diese »Blitzlichterinnerungen« an Schockmomente jedoch der Wahrheit. Sie haben sich erst mit der Zeit geformt.

Erinnerungen werden durch spätere Ereignisse um- und überschrieben. Jemand, der erfährt, dass er ein Kuckuckskind ist, beginnt, seine Familie in völlig neuem Licht zu sehen. Dieselben Ereignisse der Vergangenheit erhalten plötzlich eine andere Bedeutung. Lange Vergessenes taucht wie aus dem Nichts auf und fügt sich zu einem neuen Bild.

Draaisma zeigt, dass Erinnerungen höchstens Versionen der Vergangenheit bieten und folglich nur »halbe Wahrheiten« sein können. Mit Blick auf eine »Vergessenspille«, wie sie beispielsweise in der Traumatherapie erforscht wird, fragt er auch nach der Rolle der Erinnerung für unsere Identität. Angenommen, unsere Erinnerungen sind identitätsstiftend: Was geschieht, wenn sich diese Erinnerungen verändern oder sogar vergessen werden?



Pressestimmen

Draaisma wartet mit einer Fülle verblüffender Einsichten über die Fallstricke der menschlichen Psyche auf. Ein fachlich ebenso wie sprachlich exzellentes Buch. Spektrum der Wissenschaft
Wieder einmal erweist sich das Gehirn als ein großer Fabulierkünstler. (...) Wenn es eine Pille gäbe, die Erinnerungen löschen kann, würden Sie sie nehmen? Und wofür? fragt Draaisma. Und wie würden Sie entscheiden, wenn es eine Pille gäbe, mit der Sie Erinnerungen an sich selbst aus dem Gedächtnis anderer löschen könnten? FAZ
Man folgt Draaisma gerne, wohin auch immer er geht. Und er geht weit. Falter
Ein gut geschriebenes Buch über ein Thema, das uns alle betrifft. Focus
Draaisma hat Humor und verpackt sein Wissen in Texten, die sich wie Geschichten lesen. So ist sein schmales Buch leicht und kurzweilig. SWR2
Wir stellen uns die Zukunft gerne offen vor, sagt Douwe Draaisma. Doch das Gegenteil ist ebenso wahr: Auch unsere Vergangenheit ist offen, denn Erinnerungen vermitteln lediglich eine Version dessen, wie es gewesen sein könnte. (…) Der Niederländer führt uns auf schwankenden Boden, zeigt er doch, wie wenig autobiografische Gewissheit es gibt. Wer sich dieser Idee öffnet, wird jedoch belohnt: mit der Freude, sich – im Rückblick auf eine vieldeutige Vergangenheit – als einen Mensch zu erleben, der lernt und wächst. Deutschlandfunk