Das schwarze Pferd

Roman aus dem Russischen Bürgerkrieg


Erstmals auf Deutsch: Boris Sawinkows Das schwarze Pferd! Neben Bulgakows Die weiße Garde und Babels Die Reiterarmee das fehlende Stück Weltliteratur zum Russischen Bürgerkrieg und eine sensationelle Neuentdeckung.

Juli 1917, Russland: Boris Sawinkow, einst »Russlands Top-Terrorist«, wird stellvertretender Kriegsminister in der provisorischen Regierung Alexander Kerenskis. Nach der Oktoberrevolution kämpft er auf Seiten der Weißen, später auf der der Grünen, um die Bolschewisten zu verhindern. Anfangs riskiert Sawinkow sein Leben für die Adeligen und die Großgrundbesitzer, später kämpft er zusammen mit Banditen – eine paradoxe Situation.

Jahre später, im französischen Exil, beschreibt er den Wahnsinn des Russischen Bürgerkriegs in seinem Roman Das schwarze Pferd. Darin peitscht sein Alter Ego, ein weißrussischer Offizier, seine Untergebenen an der Front ohne erkennbare Strategie und mit grausamen Befehlen durch die russische Ödnis. Ihr Feind: Die Kommunisten, die Verräter in den eigenen Reihen, die Deserteure, jeder, der zwischen die Fronten gerät, jeder, der im Weg ist. Wenig später wird er sich lieber Banditen anschließen als so weiterzumachen. Bald weiß kaum einer mehr, wofür oder wogegen er kämpft. Eine junge Partisanin verliebt sich in ihn, er gibt nach, wird sie aber irgendwann bei einer Frontbegradigung opfern müssen.
Am Ende führt sein Weg nach Moskau.

Sinnloses Morden, apokalyptische Szenen, Goya in Russland, von Sawinkow in einer glasklaren, extrem knappen, manchmal traumschönen, immer aber illusionslosen Sprache erzählt.



Pressestimmen

Das Buch blickt tief in die zerrissene Seele des russischen Volkes und kommt zu einer düsteren Erkenntnis: Die Schlacht um Macht und Einfluss lässt ausschließlich Verlierer zurück. Jochen Kürten, Deutsche Welle
Boris Sawinkows Sprache ist traurig und schön, von einer Lakonie und Kälte, die in der Literatur ihresgleichen sucht. Alexander Nitzberg, dem Übersetzer, ist es gelungen, ihr auch im Deutschen einen Klang zu geben. Sollte jemals einer fragen, was über die menschliche Existenz in Erfahrung zu bringen ist, wird man ihm Sawinkows Roman in die Hand geben und ihm sagen müssen: Lies, denn du wirst keine besseren Antworten auf deine Fragen finden! Jörg Baberowski, Süddeutsche Zeitung
Mit der Wiederentdeckung der Bücher Boris Sawinkows durch den Galiani Verlag – hundert Jahre nach der Oktoberrevolution – kann man nun einen spannenden, literarisch durchaus faszinierenden und historisch einzigartigen Blick auf die Bürgerkriegszeit in Russland werfen und mit Sawinkow einen zwiespältigen Akteur dieser Epoche kennenlernen, der sich die paradoxe Suche nach dem Sinn der Geschichte zu seiner Aufgabe gemacht hat. Ulrich Rüdenauer, MDR Kultur
Alexander Nitzberg, dessen vorzügliche Übersetzung den herb lakonischen Ton des Originals einfängt, hat [den Roman] mit einem instruktiven Anmerkungsapparat versehen sowie einem Dossier zu Sawinkow, das uns dessen einzigartige intellektuelle Partisanenbiographie nahebringt. (...) Das Stakkato filmischer Prosa-Szenen (...) schildert, wie immer wieder neue Wellen von Gewalt und Gegengewalt eine ganze Gesellschaft physisch und moralisch zugrunde richten. Kerstin Holm, FAZ
‘Ein Henker, aber nicht ohne Lyrismus’, urteilte Maxim Gorki über Sawinkow. Das lässt sich auch von George behaupten, der durch seine hymnischen Naturschilderungen besticht. Der Bürgerkrieg hält für den Adrenalin-Junkie und erbitterten Feind der Alltagsroutine nicht nur Action, sondern auch Ekstasen der Kontemplation bereit, gleich einem Thoreau’schen Rückzug in die Wälder. Klaus Nüchtern, Falter
Nein, man muss Das schwarze Pferd nicht lesen, um die Geschichte Russlands zu verstehen. Oder um zu begreifen, wie grausam Krieg war, grausam Krieg ist. Man muss es lesen, um das Talent Sawinkows, die glühende Wucht der kalten Literatur zu spüren und sich daran die Hände, Stirn zu wärmen. Und man muss den Roman auch lesen, weil er das Heute so präzise zeigt, von einer Seite, die man selten sieht: Die Jetzt-Welt, sie ist so durcheinander wie Russland im Bürgerkrieg. Anna Prizkau, FAS