Bücher
Werner Fuld
Das Buch der verbotenen Bücher
Universalgeschichte des Verfolgten und Verfemten
von der Antike bis heute
Verlag Galiani Berlin
368 Seiten
Fester Einband mit Prägung, schönes Buch
Euro 22,99 (D) / sFr 32,90 / Euro 23,70 (A)
ISBN 978-3-86971-043-3
Die Siege des Wortes über die Macht
»Die Geschichte der Verbote ist eine Geschichte vom Überleben«, befand Werner Fuld und schrieb die weltweit erste Universalgeschichte der verbotenen Bücher.
Gibt die Nachwelt jedem verbotenen Buch die ihm gebührende Würde zurück, wie Tacitus angesichts einer Bücherverbrennung vor 2000 Jahren prophezeite? Oder lassen die Flammen gar manche Schrift erst in hellem Licht erstrahlen, die sonst im Dunkeln geblieben wäre? Ovid wurde von Kaiser Augustus im Jahre 13 n. Chr. verbannt, auf dem Vatikanischen Index fanden sich zwar Kant und Gregorovius, nie jedoch Hitler, Lenin oder Marx. Mit ihnen befasst sich Fuld ebenso wie mit erotischer und ketzerischer Literatur, mit den Schwarzen Listen unter den Nazis, in der DDR und natürlich auch in der BRD, wo Texte als »staatsgefährdende Schriften« verboten wurden, die als kommunistisch eingestuft wurden oder Kritik an der Bundesregierung oder den Alliierten übten. Noch heute werden hierzulande im Schnitt jährlich 300 Bücher verboten, 1995 etwa Bret Easton Ellis’ Weltbestseller American Psycho, der erst 2001, nach mehreren Gerichtsverfahren, freigegeben wurde. Fast alle großen Klassiker, von Goethes Werther über Flauberts Madame Bovary und Prousts Récherche bis Joyces Ulysses oder Nabokovs_ Lolita_ (zuerst in einem pornographischen französischen Verlag erschienen, weil niemand sonst es drucken wollte), haben z. T. turbulente Verbotsgeschichten aufzuweisen. Doch Fuld widmet sich nicht nur der westlichen Welt. Auch China, Russland und die islamischen Länder hat er im Fokus. Weltweit ist die Liste verbotener Bücher schier endlos, und ständig kommen neue hinzu. Grund genug, ihnen und ihrer Geschichte endlich ein eigenes Buch zu widmen.
Pressestimmen
»Es ist ein durchaus aktueller Stoff, dem Werner Fuld sich widmet. Er tut es mit hohem Anspruch. (…) Fuld geht sein Thema nicht akademisch, sondern als Erzähler an. (…) Sein Verdienst ist es, eine Typologie der Verbote geschaffen zu haben, die zwar nicht abschließend sein kann, die aber den Blick dafür schärft, wie umfangreich und ergiebig dieses Thema ist. (…) Er begnügt sich nicht mit der, für sich genommen schon lobenswerten Fleißarbeit des Sammelns von Fallbeispielen, sondern zeigt auch Entwicklungslinien auf.« Literarische Welt
»Fuld hat eine große Geschichte der Buchverbote verfasst und arbeitet sich durch vermintes Gelände bis in die Gegenwart vor.« FAZ
» Das Buch der verbotenen Bücher ist bei aller Verve gegen Diktatur und Zensur doch in bestens lesbarem Stil gehalten.« Der Freitag
»Es ist ein aktueller Stoff, dem Sich Fuld widmet.« Hamburger Abendblatt
»Das aussergewöhnlich gelehrte Buch ist gründlich recherchiert, erfreut aber auch durch einen Schreibstil, der die Aufmerksamkeit des Lesers dank einer Fülle sarkastischer Aperçus bis zum Ende rege erhält.« NZZ
»Werner Fuld hat in seiner Universalgeschichte der Gedankenverbote eine beeindruckende Fülle an Material zusammengetragen und in zahlreichen anekdotisch anmutenden Episoden auf amüsante Weise aufbereitet. Fast schade, dass sie keine Chance hat, verboten zu werden und damit die verdiente Publizität zu bekommen.« Die Presse
»Obwohl diese Universalgeschichte des Verfolgten und Verfemten von der Antike bis heute gerade das Ausgegrenzte, Umkämpfte, Anrüchige in den Blick nimmt, liest sie sich wie ein Who is Who der Weltliteratur. Fuld schreibt mit Lust am Anekdotischen. Er ist kein Theoretiker, sondern ein Sammler, der seine Fundstücke mit Stolz präsentiert.« Jörg Magenau, SZ
»Die schärfsten zensorischen Eingriffe kommen in Deutschland nicht von Wahrheitsministerien, sondern von Bürgern wie du und ich. Das hat Werner Fuld in seinem lesenswerten Werk eindrucksvoll dokumentiert.« The European
»Das Buch rollt zwar eine schändliche Historie der Zensur auf, kommt aber zu einem tröstlichen Befund: Die Werke gehen trotz aller Verbote nicht unter.« Salzburger Nachrichten
»Werner Fuld […] beeindruckt vor allem durch die Fülle der Beispiele, die er hier ausbreitet, und die lockere Hand, mit der er seine Funde präsentiert.« Lesart
»Fuld breitet ein immenses Wissen aus, hat punktgenau recherchiert, kennt sich in allen historischen Epochen und Kulurkreisen blendend aus.« Harald Gillen
Wir möchten Ihre Geschichten zu Zensur und Literaturverbot hören!
Wussten Sie, dass “American Psycho” von Bret Easton Ellis in Deutschland erst zehn Jahre nach seinem Erscheinen frei verkauft werden durfte? Oder dass für Vladimir Nabokovs “Lolita” noch 1965 mitten in Düsseldorf ein öffentlicher Scheiterhaufen errichtet wurde? Mit dem Buch der verbotenen Bücher von Werner Fuld liegt nun erstmalig im deutschen Sprachraum eine Universalgeschichte verfolgter Literatur vor, in der diese und ähnlich erschreckende und absurde Verbotsgeschichten versammelt sind.
Gemeinsam mit dem Börsenblatt interessieren wir uns dafür, welche Erfahrungen Sie mit dem Thema gemacht haben: Schicken Sie uns Ihre prägendste, ungewöhnlichste, schrägste oder schlimmste Geschichte in Zusammenhang mit verbotener, verfemter oder zensierter Literatur (an: info@galiani.de) oder posten Sie sie direkt beim Börsenblatt. Ihre Berichte werden auch auf unserer Homepage veröffentlicht, eine Auswahl der spannendsten Texte erscheint außerdem in der gedruckten Ausgabe des Börsenblatts.
Unter allen Teilnehmern verlosen wir fünf Exemplare von Werner Fulds Buch der verbotenen Bücher !!!
Kommentare
1. Werner 27.02.2012 12:30h www.eselsohren.at
Mit einem verbotenen Buch hatte ich noch kein Erlebnis, aber ich war bei einer illegalen Aufführung von Achternbusch’ Film “Das Gespenst” 1982 oder 1983. Ich war enttäuscht – nicht wegen des Films, sondern weil ich mir etwas Skandalöses erwartet hatte.
(Das Aufführungsverbot ist in Österreich übrigens bis heute gültig.)
2. Katrin 27.02.2012 14:50h http://www.rolandseim.de/seiten/dissabstract.html
Es gibt ein gutes Buch von Roland Seim zum Thema, ich glaube, seine Dissertationsarbeit: Zwischen Medienfreiheit und Zensureingriffen. Eine medien- und rechtssoziologische Untersuchung zensorischer Einflußnahmen auf bundesdeutsche Populärkultur. ISBN 978-3-933060-00-6
3. saguenay 27.02.2012 15:12h
Verbotene Bücher? Sind damit Bücher gemeint, die Weltbild-Kunden zwar kaufen möchten, von denen die Kirche aber der Ansicht ist, dass brave Katholiken so etwas nicht zu Gesicht bekommen sollten? Die Sache mit dem “Wachset und mehret Euch” z.B……
Spaß(?) beiseite. Mein erster Kontakt mit einem offensichtlich verbotenen Buch war ein Blick in “Mein Kampf”, das ich heute noch als unsagbar ödes, verquastes Machwerk in Erinnerung habe. Die Tatsache, dass der Autor den Tod mehrer Millionen Menschen zu verantworten hatte, machte die Lektüre auch nicht lebhafter. Sich als Massenmörder einen Namen gemacht zu haben, heisst noch nicht, dass man deshalb auch als Autor Aufmerksamkeit verdient – und sei es zwecks Analyse der kruden Gedankengänge.
Das Verständnis für das Geschehene wird durch die Lektüre derlei unheiliger Bücher nur bedingt gefördert. Immerhin brachte mir diese Erfahrung die Erkenntnis, dass mich die Gedankengänge von Polit-Psychotikern nicht sonderlich interessieren, bzw. politische Pornographie mit einem beträchtlichen Mass an Langeweile einhergeht.
Das Verbotene übt ohnehin nur dann Reiz aus, wenn man Tabus akzeptiert, die man eigentlich brechen möchte.
4. mod1965 27.02.2012 15:31h
Was? “American Psycho” war auf dem Index? Ohne irgendwelche Beeinträchtigungen haben wir es in der Buchhandlung nahe der Frankfurter Börse an die Börsianer verhökert.
Dafür hat mal eine Kundin ein unglaubliches Gewese wegen der “Satanischen Verse” gemacht: Sie wollte den Titel des bestellen Buches nur einer Vertrauensperson ins Ohr flüstern, die es dann vom Abholfach holen sollte. Sie hatte Angst, dass irgendein Muslim mitbekommt, was sie kauft.
Und die Chefin erzählte gern, dass sie als Jungbuchhändlerin die Aufsicht über die Henry-Miller-Bände hatte. Den kaufenden Herren war es peinlich, ihr eher wurst: “ich dachte immer: Die armen Männer, die das dringend lesen müssen.”
5. Romy Beard 28.02.2012 11:53h
http://www.nls.uk/exhibitions/banned-books
In der Schottischen Nationalbibliothek in Edinburgh gab es letztes Jahr eine Ausstellung zu dem Thema, sehr interessant!
6. thorsten nesch 29.02.2012 19:51h www.thorsten-nesch.com
eines der größten antikriegsbücher wird angeblich immernoch regelmäßig in den USA verboten : dalton trumbo “johnny got his gun” (dt. johnny zieht in den krieg)
einige könnten den großartigen film kennen oder die ausschnitte in dem metallica-video …
7. Karoline CC 03.03.2012 19:44h
1965 war ich Mitglied eines Leserings, wenn man vergessen hatte im 1/4 Jahr zu bestellen, bekam man den Hauptvorschlagsband; ich bekam Nabokovs Lolita und habs dann gelesen. Nun, ich war jung und ich brauchte “Anregung”.
Quatsch – so richtig angesprochen hats mich eigentlich nicht!
8. Carmen 07.03.2012 18:38h www.carmenwinter.de
Ende der 80er Jahre, als ich an der Humboldt-Uni Berlin Germanistik studierte, bekamen wir in der Uni-Buchhandlung den Hinze-Kunze Roman von Volker Braun nur ausgehändigt, wenn wir uns als Germanistik-Studenten auswiesen.
9. Ruhri 14.03.2012 21:56h
In meiner Lehrzeit waren die “Satanischen Verse” gerade in der Diskussion. Also haben wir die nicht offen ausgelegt, quasi “Bückware”. Und bloss nicht ins Fenster wegen Anschlagsgefahr. Henry Miller gab es nicht über das Barsortiment in der Zeit, weil auf dem Index. Es gab immer eine Meldenummer dafür. Ebenso für “American Psycho”. Lächerlich heutzutage. Wenn man sieht was an wesentlich schlimmeren Sachen heute frei verkauft wird. Die Satire auf den Yuppiewahn hat anscheinend eh keiner von denen erkannt, die das als soooo schlimm empfunden haben. Aber es stimmt schon: Interessant werden solchen Bücher eben erst durch den Skandal und ein ev. Verbot. Wer hat von denen die die satanischen Verse denn gekauft haben das Buch auch gelesen?
10. Wolfgang Arnold, Buchhandlung Carl Machwirth, Alzey 21.03.2012 11:36h
Ich habe meine Ausbildung zum Sortimentsbuchhändler in den Jahren 1978 bis 1980 in der Buchhandlung Chr. Kaiser in München auf dem Marienplatz gemacht. Damals waren Titel wie “Memoiren der Josephine Mutzenbacher” und “Lady Chatterly” wohl auf dem Index (welchem Index?). Jedenfalls wußte auch der Azubi vom flachen Land (denn ein solcher war ich damals!), dass diese Bücher nicht so ohne weiteres verkauft werden durften. Außerdem standen sie ja auch gar nicht im Regal innerhalb des Ladens. Nein, diese Bücher befanden sich im Büro unseres Chefs und Inhabers der Buchhandlung, bei Herrn Lempp. Wurde nun von einem Kunden ein entsprechender Wunsch geäußert, so begab sich der Buchhändler hinauf in den ersten Stock zum Chef. Dort hing in seinem Büro ein geräumiger Toilettenschrank (hieß der so?) der Marke Alibert (schreibt man den so?) Herr Lempp hatte nun so einen kleinen dazu passenden Schlüssel am Schlüsselbund, und wenn der Kunde die magische Altersgrenze bereits überschritten hatte (was vom ersten Stock aus per Inaugenscheinnahme festgestellt wurde!) konnte der Buchhändler mit dem gewünschten Buch, selbstversändlich sehr diskret, ins Parterre zurückeilen und und den Kundenwunsch erfüllen.
Ich kann nur sagen, dass für uns Azubis eine unbeschreibliche Magie von diesem Schränkchen ausging!
11. Renate Milena Findeis 23.03.2012 12:05h
Mich hat die Geschichte von Igor Pomerantsev bewegt, der wegen Besitz von “politischer Literatur” vom KGB verhaftet und später dann außer Landes verwiesen worden ist. Da ich keine seiner wunderbaren Gedichte und Erzählungen in englischer und deutscher Sprache fand, habe ich mit der Herausgabe des Zeitzug begonnen. Besonders berührt haben mich “KGB und andere Gedichte”, die beim letztjährigen Poetikfestival “Meridian Czernowitz” Theaterstück auf die Bühne gebracht wurden.
Mehr von Igor Pomerantsev hier online: unter zeitzug.com
12. Katja Giese 02.04.2012 11:01h
Ich weiß gar nicht, ob das Buch wirklich verboten war, aber meine Eltern hatten Anfang der 70er “Zeig mal” erworben. In der 4. Klasse (Ende der 70er) habe ich das Buch mit in die Schule genommen, weil für mich der offene Umgang mit “solchen” Themen ganz normal war.
Leider für die anderen Eltern nicht, die dann dafür gesorgt haben, dass unser Lehrer an eine andere Schule versetzt wurde.
13. Monika Steinebach, Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH 11.04.2012 11:07h
Es war Herbst 1965, ich (Jahrgang 1949) wusste bereits, dass ich nach meiner Mittleren Reife im April 1966 Buchhändlerin lernen würde und besonders mein Vater förderte mich seit ich fünf Jahre alt war, in allem was auch immer ich lesen wollte. Wir machten unsere Abschluss-Klassenfahrt und ich habe mir unterwegs zum Lesen Grass, “Die Blechtrommel”, gekauft. War damals in aller Munde, und man musste ja mitreden können, was nur geht, wenn man gelesen hat. Kaum hatte meine Lehrerin das Buch in meiner Hand gesichtet, wurde mir das entrissen. Das hätte ich nicht zu lesen und ich könnte mir das hinterher, wenn sie mit meinen Eltern gesprochen hätte, wiederholen. Mein Vater hat ganz cool kommentiert, dass ich schließlich Buchhändlerin werde und alles lesen kann, was ich für notwendig halte. Hat mich sehr beeindruckt und ist mir halt dadurch auch im Gedächtnis geblieben. Ich glaube, heutzutage gibt es weitaus „schlimmere“ Bücher.
Übrigens habe ich nach der Ausbildung nur noch in Verlagen gearbeitet – wegen der damals weitaus besseren Bezahlung und später mit Kind auch wg. der angenehmeren Arbeitszeiten. Und bin jetzt – fast im Rentenalter – für den bookshop unseres Hauses im Internet zuständig. Die Worte PC und Internet gab es während meiner Ausbildung 1966-69 noch nicht mal.
14. Pat McCraw 19.04.2012 20:52h http://www.duocarns.com
Charles Bukowski, William S. Burroughs standen vor 40 Jahren in der Düsseldorfer Stadtbibliothek auf der Berliner Allee in einem separaten Raum. Man musste sich erst einen Schlüssel für diese verboteten Bücher holen. Das war jedes Mal ein Abenteuer, denn die Bibliothekarin musterte einen nachdenklich und prüfend von oben bis unten. Nach dem Personalausweis wurde ich allerdings nie gefragt. Nach einiger Zeit brauchte ich nichts mehr zu sagen. Sie gab mir von selbst den Schlüssel ;)
Aufruf von boersenblatt.net und Galiani
Als Abschluss des Aufrufes und Dankeschön erhalten fünf Geschichtenschreiber je ein Exemplar von Fulds Universalgeschicht der verbotenen Bücher. Ausgewählt hat der Galiani Verlag die Beiträge von mod1965, Carmen Winter, Wolfgang Arnold, Monika Steinebach und Pat McCraw, die über Bücher geschrieben haben, die nur nach Vorlage eines Germanistik-Studentenausweises ausgehändigt wurden, deren Titel nur im Flüsterton genannt wurden oder für die ein abschließbares „Giftschränkchen“ eingerichtet wurde, das nur bei besonderen Wünschen und erreichter Altersgrenze geöffnet wurde. Diese und weitere Geschichten sind auf unserer Homepage www.galiani.de nachzulesen.
Zu dem Beitrag von mod1965 konnte leider keine Kontaktmöglichkeit ermittelt werden – melden Sie sich bitte bei Galiani, falls Sie Post bekommen möchten (info@galiani.de).



