Wir sind begeistert über die tolle Resonanz auf die Aktion #Stettlertag! Ein großer Dank an alle teilnehmenden Buchhandlungen.




Augsburg, Buchhandlung Pustet


Basel, Buchhandlung Bachletten


Düsseldorf, Buchhandlung Gossens


Eutin, Bücher Hoffmann


Berlin-Kladow, Buchhandlung Kladow


Köln, Buchhandlung Klarenbach


Konstanz, Bücherschiff


Lenzburg, Buchhandlung Otz


Mülheim, Hilberath und Lange


Radolfzell, Greuter


Senden, Bücher Schwalbe


Zürich, Buchhandlung Bodmer


Zürich, Orell Füssli Bellevue


Zum neuen Roman von Alain Claude Sulzer haben wir uns etwas ganz Besonderes ausgedacht – und wir hoffen, dass Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen im Buchhandel, dabei mitmachen und aus der Idee etwas Größeres, Lustiges und Einmaliges wird!
Aktionszeitraum ist der 21.10. bis 2.11. – jede Buchhandlung kann mitmachen!

Die Idee:
Im Roman geht es um einen Schaufensterdekorateur in den späten 60er-Jahren in der Schweiz – und um das Wagnis, gesehen zu werden, aus dem Hintergrund hervorzutreten. In diesem Sinne können – so glauben wir – viele von sich sagen: Wir sind alle ein wenig Stettler. Und Sie, als Buchhändler/innen mit Ihren Schaufenstern, können das zeigen!

Nehmen Sie Teil an unserer Aktion – senden Sie uns ein Foto davon (das dann in den sozialen Medien und Branchenmedien verbreitet wird) – und gewinnen Sie eine Lesung mit Alain Claude Sulzer!

Außerdem werden Sie Ihre Kunden beeindrucken – denn wir sind sicher, dass es auch heute noch ein Hingucker ist, wenn ein lebender Mensch im Schaufenster zu sehen ist.

Wenn alles klappt, locken Sie Kunden in den Laden, es knüpfen sich Gespräche an, Schaufenster und Laden werden von Passanten fotografiert, und wir begleiten die Aktion über all unsere Kanäle ebenfalls. Und Sie nehmen Teil an der Verlosung einer Lesung mit Alain Claude Sulzer, bei der Galiani Berlin (in Zusammenarbeit mit Pro Helvetia) die Kosten trägt.

Das Konzept:
Sie suchen sich einen Tag in dieser Woche aus und erklären ihn zum Stettler-Tag. An diesem Tag (eine Stunde oder länger, je nach Kapazität) setzt sich jemand (z.B. Sie selbst als Buchhändler/in, oder ein/e andere/r Freiwillige/r) ins Schaufenster und liest das Buch, von draußen sichtbar, wie eine lebendige Schaufensterpuppe.

Das Ganze findet in allen Buchhandlungen, die mitmachen, im gleichen Zeitraum statt – wie eine Art einwöchiger Flashmob.

Sie selbst (oder ein/e Stellvertreter/in) wagen sich ins Schaufenster vor, so wie Alain Claude Sulzers Protagonist Stettler am Ende von Unhaltbare Zustände aus dem Hintergrund auf die “Bühne” des Schaufensters tritt, die er jahrelang aus dem Hintergrund heraus gestaltet hatte.

Auf unserem Autorenplakat, das wir Ihnen gerne zusenden (und das den Autor ebenfalls in einem Schaufenster zeigt), steht als Headline “Vom Wagnis, gesehen zu werden” – und das ist das, was Sie in diesem Moment mit Stettler verbindet.

Anmeldung bis 28.10. bei: Lisa Kaiser, lkaiser@galiani.de, 030/6881 20 97-13

Vorbereitung:
Sie bekommen ein oder mehrere Plakate von uns sowie ein Leseexemplar. Sie bestellen den Titel zu Veranstaltungskonditionen, um ihn z.B. als Stapel um den Stuhl herum aufzubauen o.Ä.

Jede/r kann sich bei der Dekoration und Einrichtung des Schaufensters sowie beim Outfit der “lebendigen Schaufensterfigur” austoben.

Hier eine Basis-Variante, die wirklich unaufwändig ist:
1 Stuhl (wahlweise: Sessel, Sitzkissen, Gartenliege, Hängematte, Klappstuhl)
+1 Mensch
+1 Exemplar von Unhaltbare Zustände
+1 Plakat
+1 Foto machen

Dauer:
Mindestens 1 Stunde, gern am Nachmittag (Feierabend-Kundenverkehr)

Wer sitzt im Fenster?
Wenn nur eine Person im Laden arbeitet oder man zu schüchtern ist, kann man auch jemanden aus dem Bekanntenkreis bitten, oder jemanden aus der Stammkundschaft, Geschwister, gute Freunde, den Vater, Auszubildende, Verlagsvertreter, zahlungssäumige Kunden … Es können sich auch mehrere Personen ins Fenster setzen – oder sich abwechseln.

Weitere Ideen für Dekoration:

Medien/Fotos:
Jede teilnehmende Buchhandlung schickt bis zum 28.10. mindestens ein Foto vom Fenster an lkaiser@galiani.de, das wir auf unseren Kanälen mit Nennung der Buchhandlung und ggf. Verlinkung zu Ihrer Facebookseite/Instagram/Twitter/Homepage posten und auch an Branchenmedien etc. schicken. Sie können natürlich auch selbst posten (#stettlertag #alainclaudesulzer #vomwagnisgesehenzuwerden #galianiberlin #unhaltbarezustände)

Der Stettler-Tag soll in den sozialen Medien (Facebook, Instagram) und in den Branchenmedien vorher und nachher begleitet werden, und auch in allen anderen Medien. Alle Bilder werden veröffentlicht. Wir planen auch Anzeigen im Börsenblatt und im Schweizer Buchhandel mit einer Ankündigung.

Gewinnen:
Am Ende der Woche wird aus allen eingegangenen Bildern eines ausgelost und die Buchhandlung gewinnt eine Lesung mit Alain Claude Sulzer. Der Verlag und Pro Helvetia tragen die Kosten für Honorar, Unterbringung und Reise des Autors.


Falls Sie das Buch noch nicht kennen, hier zwei Auszüge aus dem Roman, die uns zu der Idee inspiriert haben:

Am Vorabend der Enthüllung waren die leeren Schaufenster mit dunkelblauem Tuch verhängt worden. Und tatsächlich erwartete die Zuschauer etwas noch nie Dagewesenes, etwas, das gewiss nicht nach jedermanns Geschmack war, aber gerade deshalb auf das größtmögliche Interesse stieß.

Auf den ersten Blick war an diesen Schaufenstern nichts ungewöhnlich. Die ersten, ahnungslosen Zuschauer mochten zunächst sogar enttäuscht sein, denn was sie erblickten, war geradezu ernüchternd gewöhnlich.

Schon nach wenigen Sekunden begriffen die Zuschauer, dass sie einer Täuschung erlegen waren. Plötzlich erkannten sie, was sie wirklich sahen, und staunten. Bei den Modellen handelte es sich nicht um leblose Schaufensterpuppen, sondern um Menschen, atmende Wesen aus Fleisch und Blut. Es waren, wie sie bald erfuhren, Schauspielschüler, die für einen geringen Lohn auf ihre Semesterferien verzichtet hatten, um in den Schaufenstern des Quatre Saisons zum ersten Mal vor richtigem Publikum zu posieren. Ihre Aufgabe bestand darin, reglosen Puppen zum Verwechseln ähnlich zu sehen.

Hinter dem Schaufensterglas waren Menschen aus Fleisch und Blut zu beobachten, die Kleider trugen und von Dingen umgeben waren, die man alle auch im Warenhaus kaufen konnte. Sie waren “lebende Werbeflächen”, wie Der Spiegel schrieb. Immer mehr Leute liefen zusammen. Was es da zu bestaunen gab, ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt.

Wenn man sich lange genug auf eine der lebenden Puppen konzentrierte, gewahrte man, dass sie atmete, dass ihre Lider zuckten und ihre Augen sich bewegten, vollkommen reglos war keine. Vielleicht mangelte es den Schauspielschülern an der nötigen Erfahrung, jedenfalls entdeckte man da und dort winzigste Regungen und kleinste Verschiebungen, ein Ellbogen, ein Finger, ein Zeh, die sich kaum merklich hoben, auf Dauer konnte niemandem entgehen, dass die Leblosigkeit bloß gespielt war. Man bewunderte, wie sie es schafften, sich so lange so ruhig zu verhalten.

Sie saßen, lagen, kauerten und standen in einer hochsommerlich strahlenden Umgebung, ihre nackten Füße und Sandalen, ihre Leinenespadrilles und Sandaletten waren im feinen Sand eingesunken, manche hatten es sich auf Klappstühlen und an Campingtischen, andere auf modernen Liegen und Luftmatratzen bequem gemacht, ein junger Mann legte letzte Hand an das kleine Zelt an, in dem bereits die Ehefrau lag, die in einer bunten Illustrierten blätterte, während in einem anderen Schaufenster die eingefrorenen Mienen von vier Freunden besichtigt werden konnten, die um ein echt wirkendes Lagerfeuer saßen und Bratwürste an langen Spießen in die rötlich funkelnde künstliche Glut hielten. In einem anderen Fenster saßen zwei Frauen unter einem großen Sonnenschirm, erstarrt in angeregter Unterhaltung bei Kaffee und Kuchen, sie trugen luftige Sommerbekleidung und Strohhüte, das Einzige, was fehlte, waren Kinder. Kinder hätte man wohl kaum zum Stillstehen und -sitzen bewegen können.

Nach fünfzehn Minuten Reglosigkeit veränderten sämtliche Personen ihre Positionen; vermutlich reagierten sie auf einen unhörbaren Befehl. Nach etwa zehn Sekunden erstarrten sie erneut, fünfzehn Minuten später setzten sie sich wieder in Bewegung. Acht Stunden hielten die Schauspielschülerinnen und -schüler mit bewundernswerter Ausdauer aus. Allein das war schon eine große Leistung. Am Ende ihres Achtstundentages hatte jeder seine Stellung vierzig Mal verändert. Die Darsteller waren aufgestanden, hatten sich hingesetzt und hingelegt, hatten Gläser zum Mund geführt und Strohhalme zwischen die Lippen gesteckt, waren ein paar Schritte gegangen, hatten neue Paare gebildet und waren dabei immer stumm geblieben. Die ausgeklügelte Choreografie hatte sie am Ende an den Anfang zurückgeführt. Um sechs Uhr abends befanden sich sämtliche Schaufensterpuppen wie die Figuren der Prager Rathausuhr in ihren Ausgangspositionen.
Bleicher [Der junge Dekorateurskollege, der Stettler vor die Nase gesetzt wurde] wurde gefeiert. Der Erfolg seiner neuen Schaufenster war überwältigend. Es hätte auch anders ausgehen können. Die Öffentlichkeit schien sich im Augenblick nur dafür zu interessieren.

Als Bleicher mittags – gegen seine Gewohnheit – die Kantine betrat, ließen ihn die zahlreich anwesenden Angestellten hochleben, sie klopften ihm auf die Schultern, wollten ihm die Hand geben oder zumindest ein paar Worte mit ihm wechseln. Stettler beobachtete es aus der Entfernung. Er hätte vorgezogen, es sich erzählen zu lassen. Doch Bleichers Gegenwart ließ sich nicht wegzaubern.“



Und am Schluss des Romans entscheidet sich Stettler schließlich selbst zu einer außergewöhnlichen und für ihn bis dahin unvorstellbaren Aktion:

Kurz bevor das Licht in allen Schaufenstern gleichzeitig aufflammte und die jungen Darsteller ihre Positionen einnehmen konnten, zog er den schützenden Bademantel aus. Er trug nichts am Leib. Er war nackt.

Er brachte Ordnung in die Unordnung des Schaufensters. Er saß nackt und aufrecht auf einem Campingstuhl. Er lächelte und wartete. Kerzengerade saß er da und wartete, nur seine Augen bewegten sich. Er wartete.

Später würde man ihn vielleicht fragen, was er denn erwartet habe. Er würde sicher stumm bleiben. Er spürte den Stoff des Campingstuhls unter seinem Gesäß. Er war nackt. Er wartete. Er hörte Stimmen. Die Puppendarsteller, die nicht auftraten. Zeitverschiebung.

Es dauerte keine zwei Minuten, bis der erste Passant vor dem Schaufenster stehen blieb, und etwa zwanzig Sekunden, bis sich ein zweiter dazugesellte, der durch den ersten darauf aufmerksam gemacht worden war, dass es hier etwas zu sehen gab, was er noch nie gesehen hatte.

Aus: Alain Claude Sulzer, Unhaltbare Zustände, © Galiani Berlin