Olaf Schmidt über das abenteuerliche Leben des Johann Jacob Bach

Ihr Protagonist, Johann Jacob Bach, ist eine reale historische Person, von deren Leben wir kaum mehr als Eckdaten kennen – wie kamen Sie ausgerechnet auf ihn?
Mein Sohn ist ein großer Johann-Sebastian-Bach-Fan. Um all seine Fragen beantworten zu können, habe ich Christoph Wolffs Bach-Biografie gelesen und bin darin auf Johann Jacob gestoßen. Als ich las, was er gemacht hat und wo er überall gewesen ist, dachte ich: Über den müsste man einen Roman schreiben!

Im Roman tauchen immer wieder bekannte historische Figuren wie Karl XII. von Schweden oder August der Starke auf. Inwiefern haben Sie sich bei deren Darstellung an historische Fakten gehalten, haben Sie vielleicht auch mal eine Figur ganz neu erfunden?
Grundsätzlich habe mich bemüht, mich an die historischen Fakten zu halten. Die eine oder andere Nebenfigur ist schon teilweise oder völlig neu erfunden, aber es sind weniger, als man vielleicht denk denken mag. Die schöne und kluge Anastasia, der Jacob in Konstantinopel begegnet, hat es zum Beispiel wirklich gegeben, auch wenn sie anders geheißen hat. Lorenz Hagedorn oder Sinclair sind dagegen erfunden. Aber auch die beiden haben historische und literarische Vorbilder.

Johann Sebastian Bach gilt als einer der bedeutendsten Komponisten aller Zeiten. Welche Rolle spielt er in Ihrem Roman und wie würden Sie das Verhältnis der Brüder Johann Jacob und Johann Sebastian beschreiben?
Nach dem Tod der Eltern sind Johann Sebastian und Johann Jacob zu ihrem viel älteren Bruder Johann Christoph Bach nach Ohrdruf in Thüringen gezogen. Vermutlich hatten die beiden ein enges Verhältnis, aber wir wissen darüber nichts Genaues. Fest steht, dass Johann Sebastians Begabung früh aufgefallen ist und er entsprechend gefördert wurde. Johann Jacob hat sich dagegen aus der Welt der großen Musikerfamilie Bach verabschiedet und ist mit Karl XII. nach Russland gezogen. Ob das tatsächlich ein Ausbruch war? Bach-Biografen können hier nur vorsichtig spekulieren, als Schriftsteller darf – und muss – ich meiner Fantasie freien Lauf lassen.

Sind uns Kompositionen von Johann Jacob Bach erhalten geblieben und wenn ja, was macht seine Musik aus?
Es gibt eine Sonate für Oboe oder Flöte und Basso Continuo in c, von der wir annehmen dürfen, dass sie von Johann Jacob Bach stammt. Ganz hübsch, aber nicht besonders anspruchsvoll. Ein musikalisches Genie war er nicht. Dafür verlief sein äußeres Leben wohl etwas aufregender als das seines kleinen Bruders.


Links: Jean-Baptiste van Mour - Der Zug des Großwesirs überquert den Ameydan
Rechts: Antoine de Favray - A European in Turkish Costume (Google Art Project)


Von Leipzig bis in die Harems Konstantinopels: Ein opulenter historischer Roman über die Welt und Weltpolitik des Barock und das abenteuerliche Leben des Johann Jacob Bach, Oboist des Königs von Schweden und älterer Bruder von Johann Sebastian Bach.

Der frühe Tod der Eltern lässt Johann Jacob Bach mit seinem jungen genialischen Bruder Johann Sebastian als Waisen zurück. Gemeinsam wachsen sie auf und werden zusammen ausgebildet. Schneller noch als alle anderen der weitverzweigten Musikerfamilie Bach sichert sich Johann Sebastian eine einträgliche Kantorenstelle – Johann Jacob dagegen schert aus: Er zieht als wandernder Musikant durch die Lande, trifft Händel, Telemann und andere, wird Mitglied des Collegium Musicum in Leipzig.

Bis ihn die weltpolitischen Umwälzungen erfassen, die damals ganz Europa erschüttern: Der tollkühne schwedische Abenteurerkönig Karl XII. erobert große Teile Mitteleuropas. Auch Sachsen ist besetzt – und durch eine Fügung des Schicksals verschlägt es Johann Jacob als Regimentsmusiker in dessen Leibgarde.

So gerät er mit auf dessen Russlandfeldzug, der nach sagenhaften Anfangserfolgen in russischen Weiten und Wintern scheitert und in der verheerenden Schlacht bei Poltawa endet, bei der die ausgehungerte schwedische Armee fast vollständig vernichtet wird und der verletzte König Karl und seine Leibgarde sich nur mit Müh und Not retten können – in die Türkei, wo der macht- und mittellose Karl auf Vergeltung sinnt und seine Depressionen mit Musik zu heilen sucht; und wo der Musiker Johann Jacob Bach neue musikalische Welten entdeckt.

Raffiniert mischt Olaf Schmidt Fakten und Fiktion. Geschichtliche Figuren und Ereignisse sind minutiös recherchiert, biografische Leerstellen werden fiktional gefüllt. Schmidt verarbeitet geschickt Zitate aus Literatur und anderem Schrifttum der Zeit in Passagen und Dialoge seines Romans.

» zur Leseprobe


Lesungen

weitere Termine in Planung


Olaf Schmidt wurde auf der Insel Föhr geboren. Heute lebt er in Leipzig. Er war jahrelang Redakteur des Stadtmagazins Kreuzer, seit 2019 verantwortet er das Feuilleton der Wochenzeitung der Landeskirche Sachsens, Der Sonntag. Er ist Kenner von Musik, Literatur und Geschichte nicht nur des Barock und verfasste u.a. den Roman Friesenblut (2006).

Mehr zum Buch » Klick aufs Bild

nach oben