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Zitate Galianis über…

Blättern und Studieren
»Es gibt Leute, die die Werke studieren und andere, die sie nur durchblättern und mit den Händen studieren, wie Fontenelle sagte. Ebenso gibt es Reisende, die ein Land studieren, und andere, die es nur durchblättern.«

Ehrlichkeit und Staat
»Ein Staatskörper kann, wenn er auch nicht gerade gedeiht, so doch bestehen ohne geniale Menschen; aber ohne Ehrlichkeit ist alles verloren.«

Fürsten
»Die Tugend der Fürsten ist wie das Vergnügen der Jungfernschaft: Die Vorstellung davon ist größer als ihr Genuß.«

Geist der Gesetze
»Die Menschen dürfen nie weder Gesetz noch Maß in den Händen haben, sie verstehen nicht damit umzugehen. Jeder würde es nach seinen Interessen gebrauchen, nach seinen Leidenschaften, man wird ungerecht gegen seinen Willen, bald aus Furcht, bald aus Mißbrauch, bald aus falschen Grundsätzen, bald aus bestimmten Nebenabsichten. Kurz, Maß und Gesetz in der Hand der Menschen wird Maß und Gesetz des Einzelnen. Gesetze aber müssen allgemein, beständig, unabänderlich sein.«

Gleichheit und Gewinn
»Wo Gleichheit ist, ist kein Gewinn.«

Herz und Kopf
»Daß Wesen ohne Kopf leben können, diese Entdeckung ist gemacht; aber ohne Herz kann nichts leben, wenigstens haben wir bis jetzt keine Kenntnis davon.«

Der Mensch
»Der Mensch beneidet die Lage anderer und wäre in Verzweiflung, wenn man ihn tauschen ließe; er könnte sich der neuen Lage nicht anpassen.«

Neugier
»Je glücklicher eine Nation ist, desto neugieriger ist sie. Ein neugieriges Volk ist ein großes Lob für seine Regierung.«

Nützlichkeit
»In der Rangfolge der Nützlichkeit der Dinge kommen zuerst die vier Elemente, Erde, Wasser, Luft und Feuer; danach folgt der Mensch, der für alle anderen Menschen das allernützlichste ist; dann kommen Nahrung und Kleidung, dann die Wohnung und an letzter Stelle die weniger großen Bequemlichkeiten und die weiteren Vergnügungen der Menschen.«

Optik und Wahrheit
»Alles in unserem Kopf ist optisch. Wir sind nicht für die Wahrheit geschaffen, und die Wahrheit geht uns nichts an. Die optische Täuschung allein ist erstrebenswert.«

Politik und Kürze
»Galiani hatte seinem Vorgesetzten, dem spanischen Gesandten am französischen Hof, eine diplomatische Eingabe mit der Bemerkung zurückgegeben, sie sei nicht gut. Auf dessen Vorwurf, Galiani habe sie nur flüchtig angeschaut, nicht aber gelesen, erwiderte dieser: »Exzellenz: erlauben Sie mir zu bemerken, daß die Politik das Gegenteil von Ihrer Nase ist; die Politik ist nur gut, wenn sie sich kurz faßt.«

Pressefreiheit
»Man wird mich nie glauben machen können, daß man in einem Lande, das bestrebt ist, gute Gesetze zu geben, nicht sagen darf, daß ein Gesetz schlecht ist. Würde dieses Bestreben nicht bestehen, würde ich nichts sagen über die Gesetze, die man machen will, und ich würde diejenigen gut finden, die man schon gemacht hat, weil man sie gemacht hat. Aber unter einer vernünftigen Regierung, deren Behörden das Beste wollen, es suchen und nehmen, da glaube ich darf jeder Mensch seine Meinung sagen, er darf nicht nur, er muß sie sagen.«

Wider die vollständige Privatisierung des Handels
»Wenn Sie die Verproviantierung der Stadt Privatsache sein lassen, so werden ihre Magazine leer bleiben, und Sie werden nie auch nur für ein halbes Jahr Vorrat für das ganze Volk finden. Denn man muß immer im Auge behalten, daß der Privatmann seinen Handel mit dem möglich kleinsten Kapital betreiben wird, weil sein ganzer Vorteil darin besteht, seine Ware so geschwind als möglich in Geld umzusetzen. Jeder Handelsmann geht mit seinen Mitteln sehr ökonomisch um; sobald sein Vorrat größer als nötig wird, so sieht er ihn als unnütze Ausgabe an und klagt über hinausgeworfenes Geld. Und wenn in einem Staate dem Privatmann allein die Anschaffung der Vorräte überlassen bleibt, so garantiere ich Ihnen dafür, daß man im Notfall, der plötzlich eintritt, kaum auf vierzehn Tage Vorrat finden wird.«

Ratschläge
»Die schlechteste Münze, Madame, in der man seine Freunde bezahlen kann, sind Ratschläge; Hilfsleistungen sind die einzig gute.«

Revolutionen
»Die Veränderung einer Verfassung ist eine sehr schöne Sache, wenn sie gemacht ist, aber eine sehr häßliche, wenn sie erst noch gemacht werden soll. Sie macht zwei oder drei Generationen ganz gewaltigen Verdruß und verschafft nur der Nachwelt Annehmlichkeit. Unsere Nachkommen aber sind nur mögliche Wesen, und wir sind wirkliche.«

Staatsgeheimnis, seine wahre Natur
»Ich habe immer bemerkt, daß die Kaufleute meistens ihr Geheimnis verstecken, und das ist ganz natürlich, denn das Geheimnis bringt dem, der es bewahrt, den größten Vorteil. Nun meine ich, es könnte mit dem Geheimnis des Wechselgeschäfts sein wie mit dem des Staates, denn die Hauptsache des Staatsgeheimnisses besteht nur darin, dem Volke glauben zu machen, es besteht eines. Ich aber nehme mir kein Blatt vor den Mund, ich sage, was ich mir denke, und ich kann diese Art der Industrie nicht leiden.«

Umgang mit dem Unmut des Volkes
»überlegungen bezüglich der ungerechtfertigten Klagen, die aus dem Unwissen über die änderungen des inneren Wertes der Edelmetalle entstehen. Ein großer Feind der guten Vorhaben des Fürsten ist das Gezeter seines Volkes. Nicht weil dieses immer ungerechtfertigt wäre, sondern weil man nicht immer darauf hören darf. Auch ein Krankenpfleger soll sich nicht pausenlos um das Stöhnen des Kranken kümmern. Manchmal ist das Leiden nicht dort, wo es schmerzt, und manchmal sind die Schmerzen sogar die Folge der Medizin. Die höchsten Amtsträger, denen die Heilmittel für die politischen Körperschaften anvertraut sind, müssen genau darauf achten, aus welchem Grund sich die Untertanen beklagen und welche Behandlung am geeignetsten wäre. […]«

Streit
»Es ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung, dass am Ende eines Streits beide Parteien Unsinn reden.«

Studieren kommt vor dem Regieren
»Man muß die Menschen gut studiert haben, bevor man sich anmaßt, sie zu regieren.«

Unabhängigkeit
»Ein Minister schließt sich an die Leute an, die ihm ganz ergeben sind. Ich bin dessen nicht fähig; ich könnte mich selbst dem Teufel nicht verschreiben. Ich bin mein. Je suis à mois.«

Und er dreht sich doch
»Die Welt ist ein Bratspieß: wir glauben ihn zu drehen, aber er dreht uns.«

Unglück
»Der Hochmut des Geistes ist in uns viel stärker als die Zufriedenheit des Herzens. Der Mensch fühlt sich mehr geschmeichelt, wenn er ein Unglück, das ihn trifft, vorhergesagt hat, als wenn er sich getäuscht und es ihn vermieden hat.«

Dialektik der Verbeugung
»Wer sich vor jemandem tief verbeugt, kehrt einem anderen den Hintern zu.«

Vernunft braucht keine Beglaubigung durch Autorität:
»Ist die Vernunft wahr, wozu noch Beispiel und Autorität? Um zu beweisen, daß der Winkel im Halbkreis ein rechter ist, hat Euklid deshalb zu den klassischen Autoritäten Zuflucht genommen? Hat er gesagt, daß sich dies in irgendeiner Stadt Griechenlands so verhält? Er bewies es, und das genügte.«

Wahrheiten können Irrtümer sein
»Ich habe Ihnen schon gesagt und werde nicht aufhören, es Ihnen immer zu wiederholen: eine Wahrheit am unrechten Ort, eine Wahrheit, auf die man durch Zufall gestoßen, taugt zu nichts; sie ist vielmehr ebenso schädlich als der Irrtum.«

Galiani an Madame d’Epinay über beider Briefwechsel:
»Sie wissen doch, meine schöne Dame, dass unser Briefwechsel gedruckt werden wird, wenn wir beide tot sind. Welches Vergnügen für uns! Welchen Spaß uns das machen wird! Ich geb mir allergrößte Mühe, daß meine Briefe besser werden, als die Ihrigen, und beginne schon, mich mit der Hoffnung zu schmeicheln, dass es mir gelingen wird.«

Galiani auf dem Sterbebett:
»Die Toten langweilen sich tödlich da unten und haben mir eine Einladung geschickt, baldmöglichst unten zu erscheinen und sie ein bißchen aufzuheitern.«

Galiani in seinem Testament:»Die, welche meine Art zu leben kannten, werden nicht erstaunt darüber sein, dass ich so wenig an Geld und Gut hinterlasse.«

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